Die Dunkle Seite: „Wir sollten nicht so werden wie sie“

Erstveröffentlichung 06/2015

Dies ist ein langer Text, und ich weiss nicht, wie viele Leser bereit sind, sich darauf einzulassen. Es geht hier nicht um geopolitische Überlegungen und nicht um Prognosen. Ich habe versucht, den innersten Kern der Auseinandersetzung zu fassen, die Ebene von Ethik und Moral nachvollziehbar zu machen, warum ich (als Atheistin, wohlgemerkt) in diesem Krieg im Donbass tatsächlich eine Auseinandersetzung zwischen dem „Guten“ und dem „Bösen“ sehe, die uns alle betrifft und global verläuft, wenn auch nicht überall in dieser Schärfe.

Viele der Videos, die als Beispiele und Belege in diesem Text angeführt sind, sind sehr schwer anzuschauen. Wer sich tatsächlich auf diese Erzählung einlassen will, sollte sich dafür Zeit nehmen und Pausen einlegen, wenn es nötig ist. Auch ich habe all diese Dinge nicht auf einmal gesehen. Ein Mensch, der das könnte, müsste empfindungslos sein.

Aber es ist wichtig, in diese Tiefe zu gehen, um zu begreifen, was Faschismus tatsächlich bedeutet, und was Antifaschismus. Dieses Wissen ist hier bei vielen nicht vorhanden, und bei anderen verschüttet unter oberflächlichen Diskursen. Um Faschismus erkennen zu können, muss man um beide Seiten wissen – die der nüchternen Interessen der wirtschaftlichen Macht, und die der Barbarei, der tiefen Unmenschlichkeit. Denn erst beides miteinander schafft die Basis, wirklich zu widerstehen.

Das verrufene Video

Wie nicht anders zu erwarten war, wurde auch in Deutschland das Video, das unter anderem Giwi mit Gefangenen am Donezker Flughafen zeigt, ausführlich zur Propaganda und insbesondere zur Dämonisierung der Milizen genutzt. Die BILD titelte damals: „So quälen Separatisten ukrainische Soldaten“, und schuf gleich ein eigenes Kurzvideo dazu (mit sehr unvollständiger Übersetzung, versteht sich). Seitdem wurde immer wieder auf diese Szene Bezug genommen.

Hier ist erstmal das Video, auf das sich diese Artikel beziehen (auch der Artikel über Giwi in der ZEIT). Die deutsch untertitelte Version beruht auf der von Kazzura veröffentlichten; hier die russische Version ohne Schwarzblenden, für all jene, die wirklich Wert auf anatomische Details legen (ehrlicher Rat – lasst es bleiben. Der Erkenntnisgewinn hält sich in sehr engen Grenzen, aber der Ekelfaktor ist enorm).

Jetzt ein bisschen Hintergrund zum Dargestellten: Es ist unschwer zu erkennen, dass Giwi mit seinen „Somalis“ am Anfang des Videos gerade aus dem Gefecht kommt. Es handelte sich – das ist aus den Aussagen der Gefangenen zu entnehmen – um einen weiteren Versuch, den Flughafen zu stürmen; in diesem Fall offenbar unter Vortäuschung falscher Tatsachen gegenüber den eingesetzten Truppen, denen gesagt wurde, sie würden Verwundete abholen. Erwartbar wurde das dann eher ein Massaker als ein Gefecht.

Dass die einfachen ukrainischen Soldaten nicht wussten, wozu sie geschickt werden, ist in diesem Video bei 8:09 zu hören. Der Gefangene sagt: „damit wir nicht wissen, wohin wir gehen, wir haben uns schon oft geweigert, anzugreifen, wenn wir gewusst hätten, was passieren wird, wohin wir gehen… würde keiner gehen.“

Die Gefangennahme

Giwi kommt also aus einer Lage zurück, in der er und seine Einheit eher die Rolle von Henkern als die Rolle des Soldaten innehatten, dank der ehrenhaften Strategie dieses ukrainischen Kommandeurs. Sie dürften sich missbraucht fühlen und zorniger sein als ohnehin. Dazu kommt, dass an eben diesem Morgen in Donezk ein Bus getroffen wurde, mitten in der Stadt (genau jener Bus, über den bei uns damals ausnahmsweise berichtet wurde). Einer der Orte, an den die Gefangenen geführt werden, ist eben diese Bushaltestelle; der ukrainische Kommandeur kommt dort zu einem Zeitpunkt an, als das ausgebrannte Auto noch auf der Strasse steht (18:18) und nicht einmal alle Opfer bereits abtransportiert sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach wusste auch Giwis Einheit bereits von diesem Terroranschlag.

Der gefangene Kommandeur ist nicht irgendwer. Er stand auf Position 3 der Wahlliste des Rechten Sektors. Eigentlich muss man davon ausgehen, dass Giwi zu diesem Zeitpunkt meinte, einen Offizier der regulären Armee vor sich zu haben. Tatsächlich ist dieser Herr, wollte man ihn, was seine Gesinnung und seine Position nahelegen, auf einer Skala des zweiten Weltkriegs einsortieren, mindestens so etwas wie ein SS-Obersturmbannführer. Also nicht nur ein Angehöriger, sondern ein Anführer einer verbrecherischen Organisation. (Auf der Original Saker-Seite gibt es einen ganzen Artikel über ihn, unter der Überschrift „Giwi hat einen grossen Fisch gefangen“).

Trotz dieser Situation, die weit über einen Moment einer „normalen“ Gefangennahme nach einem „normalen“ Gefecht hinausgeht (der Terror gegen Donezk, die Verwendung der gegnerischen Soldaten als Kanonenfutter) tut Giwi genau zwei Dinge – er stopft einigen Gefangenen das ukrainische Abzeichen in den Mund und er verpasst dem kommandierenden Faschisten eine Ohrfeige.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass es nicht nur die Situation Giwi + seine Einheit / Gefangene gibt, sondern auch eine Situation Giwi /seine Einheit. Denn für alle Beteiligten dürfte ein solcher Verlauf eines Gefechts schlicht widerlich sein. Sie sind alle zornig. Und Giwi kann damit nicht umgehen, indem er es schlicht ignoriert; täte er das, wäre das Risiko, dass sie zur „Selbsthilfe“ greifen, enorm. (Tatsächlich sind im Hintergrund des Videos, auch als Untertitel übersetzt, aber so schnell, dass man es bei normalem Sehen kaum wahrnimmt, Bemerkungen wie „alle erschiessen“ zu hören). Es gibt also einen guten Grund dafür, dass er diesem Zorn Ausdruck verleiht. Indem er das tut, entlastet er die Angehörigen seiner Einheit. Also auch wenn er hier vom Pfad des „idealen“ Benehmens abweicht, er tut es auf eine Weise, die den emotionalen Druck aus der Situation nimmt und dennoch keine dauernden Schäden hinterlässt. Insgesamt ist seine Reaktion nicht nur beherrscht, sie ist klug.

Der Umgang mit den Toten

Wenn man genau hinhört bei der Passage, die die BILD mit „Hier ist eure ruhmreiche Ukraine. Freut euch.“ übersetzte, kann man feststellen, dass hier nicht höhnisch gesprochen wird, sondern eher traurig. Auch die übrigen Sprüche, die in dieser Szene fallen, dienen eher dazu, das Entsetzen zu überspielen.

Für alle, die – vernünftigerweise – auf den Anblick der unzensierten Originalversion verzichten, es gibt die gefallenen Ukrainer aus dem beschriebenen Gefecht in Grossaufnahme. Sie werden in einem Kombi herangefahren und abgeladen.

Was dieses Video nicht zeigt, was aber in den Gesamtzusammenhang der Ereignisse gehört, ist, dass diese Toten danach in Särge gelegt und nach einer religiösen Zeremonie von den Überlebenden auf einen Laster geladen und der ukrainischen Armee übergeben werden. Diese Aufnahmen belegen also mitnichten einen respektlosen Umgang. Man kann schließlich nicht ernsthaft glauben, dass Tote von einem Schlachtfeld (und das ist der Flughafen, solange er noch unter Beschuss liegt) im Sarg abgeholt und in einem Leichenwagen gefahren werden. Und man muss nicht annehmen, dass jene, die – weil sie auch die gefallenen Gegner respektieren – diese vom Ort des Gefechts abtransportieren, dies freudig, liebevoll oder gar würdevoll tun. Sie transportieren zerfetztes Fleisch, dessen menschliche Qualitäten sie zu diesem Zeitpunkt ignorieren müssen, da sie ja diejenigen sind, die das aus einem Menschen gemacht haben, und ob das, was sie transportierten, die menschliche Qualität zurückgewinnt, erweist sich erst im weiteren Umgang, und erst daran kann und soll man ermessen, ob hier mit oder ohne Respekt gehandelt wurde.

Hier ist das Video der Übergabe (fragt mich nicht, warum die Aufnahmen mit Mörser am Anfang stehen):

In diesem Video empört sich Sachartschenko bei 5:04 darüber, das kein ukrainischer Vertreter zu dieser Zeremonie gekommen ist. Die ukrainischen Truppen haben ihre Toten schon oft einfach liegen gelassen…

Der Marsch der Gefangenen

Zu den Gefangenen sagt Sachartschenko im zweiten Video: „Euch gehen lassen, euch sehen lassen, was ihr tut, Jungs, ob ihr kein Gewissen habt, seht ihr? Ob ihr nicht verstehen könnt, gegen wen ihr kämpft und wer die wirklichen Ungeheuer sind. Wenn eure Offiziere eure toten Kameraden nicht abholen wollen…“

Hier ist die Begründung, wozu diese vermeintliche „Zur-Schau-Stellung“ dient. Viele der Gefangenen haben erklärt, man habe ihnen gesagt, sie kämpften gegen russische Invasoren und müssten die Bewohner befreien. Sie wissen wirklich nicht (oder verdrängen), was ihre Artillerie in den Städten des Donbass anrichtet.

Ein Beleg dafür findet sich im ersten Video bei 12:10; der Gefangene wird von einer Passantin gefragt: „Sag bitte, wozu bist du hierhergekommen?“, und er antwortet: „Uns wurden ganz andere Dinge erzählt.“ Ähnliche Momente finden sich in vielen Videos mit ukrainischen Gefangenen, so etwa in meinem Lieblingsvideo, dem Verhör ukrainischer Artilleristen aus Gorlowka (das es hier mit deutschen Untertiteln gibt).

Natürlich wird in den hiesigen Kommentaren dieses Verfahren – die Täter mit den Folgen der Tat zu konfrontieren – als Demütigung gedeutet. Immer wieder wird im Donbass so vorgegangen. Gefangene Piloten wurden durch die Orte geführt, auf die sie Bomben abgeworfen hatten. Artilleristen und Soldaten durch die Städte, die sie beschossen. Sie treffen auf die Hinterbliebenen der Opfer.

Auch dafür gibt es historische Vorbilder, aus dem zweiten Weltkrieg. Hier ist es weniger die Parade der deutschen Gefangenen in Moskau 1944, sondern eher die „Besichtigungen“, die beispielsweise die US-Truppen für die Bewohner Weimars und Jenas in Buchenwald ansetzten; nicht gänzlich freiwillig, aber didaktisch durchaus wirkungsvoll.

Das, woran diese Truppen zuvor beteiligt waren, ist, im Grossen und Ganzen, ein einziges fortgesetztes Kriegsverbrechen. Denn der Beschuss von Wohnvierteln mit Artillerie ist ein weitaus schwerwiegenderer Verstoss gegen die Genfer Konvention, als es dutzende oder hunderte Ohrfeigen von Giwi jemals sein könnten. Die Liste der ukrainischen Kriegsverbrechen ist lang, sie war schon bei den Kämpfen um Slawjansk fast vollständig abgearbeitet, und bis heute fehlen nur zwei Punkte – der Einsatz atomarer und biologischer Waffen (Phosphorbomben, die mehrfach eingesetzt wurden, sind nicht nur widerliche Brandsätze, sie sind aufgrund der hoch giftigen Phosphordämpfe eigentlich Giftgaseinsätze). Keines dieser Kriegsverbrechen findet Erwähnung in der deutschen Presse, oder wenn, dann wird dieses kleine unwichtige Detail, dass wir hier von durch und durch verbrecherischer Kriegsführung reden, völlig verschwiegen (einzige Ausnahme: die Splitterbombe, die beim Roten Kreuz in Donezk einschlug. Dabei starb allerdings auch ein Schweizer…)

Das heisst, alle Gefangenen waren an einem einzigen, grossen Verbrechen beteiligt. Dennoch wird mit ihnen äusserst respektvoll umgegangen. Und der Respekt liegt gerade in dem hier als demütigend beschriebenen Verfahren. Sie werden nämlich als Menschen behandelt, die zu Erkenntnis und Entwicklung fähig sind. So, als könne mit Recht davon ausgegangen werden, dass sie das, was sie taten, nicht getan hätten, wenn es ihnen bewusst gewesen wäre – nämlich, mit allen denkbaren Mitteln der Vernichtung über ihre eigenen Geschwister herzufallen.

Genau diese Haltung kennzeichnet auch das Video aus Gorlowka. Es ist deshalb besonders interessant und auch glaubwürdig, weil es mit einer völlig anderen Absicht veröffentlicht wurde – weil beide Gefangenen aussagen, man habe sie an der Teilnahme an der ukrainischen Wahl gehindert. Dieses Video wurde nicht ins Netz gestellt, um den Umgang mit Gefangenen zu belegen. Und doch habe ich selten ein Gespräch gesehen oder gehört, das mit so viel Feingefühl geführt wurde. Einer der beiden Artilleristen ist in diesem Video dem Zusammenbruch nahe. Aber dieser Zusammenbruch beruht auf seiner Erkenntnis, an was er beteiligt war, auf einer Einsicht, und er gewinnt diese Erkenntnis ohne Druck, indem ihm der Raum gegeben wird, zu verstehen. Er wird nicht behandelt, als sei er grundsätzlich schlecht, und er wird ganz und gar nicht so behandelt, wie die ukrainische Seite es mit ihren Gefangenen tut. Sondern man spricht mit ihm wie mit einer vernünftigen, erkenntnisfähigen Person. Ruhig und respektvoll, mitten in einer Stadt, die auch damals schwer unter dem ständigen Beschuss zu leiden hatte und Tag für Tag Opfer unter der Bevölkerung beklagen musste.

Wenn man sich die Aufnahmen von der grossen Truppe Gefangener und die Aufnahmen von dem gefangenen Kommandeur betrachtet, kann man den Unterschied sehen. Die meisten der Gruppe wirken tatsächlich erschüttert. Sie haben nicht damit gerechnet, von der Bevölkerung beschimpft zu werden, und sie haben nicht mit dem Anblick der Zerstörungen gerechnet. Andere Aufnahmen, wie etwa von der Pressekonferenz Sachartschenkos vor einigen Tagen, belegen, dass sie tatsächlich etwas begreifen und erkennen.

Es gibt ein weiteres Video mit ausführlicheren Aufnahmen von diesem Faschisten an der Bushaltestelle in Donezk. Wenn man ihn beobachtet (und sein Gesicht ist in Grossaufnahme zu sehen), sieht man kein Mitgefühl, keine Erschütterung; ganz im Gegenteil, einen Moment lang sogar etwas wie Triumph. Auf die Frage „Wer hat das getan?“, die ihm von Umstehenden gestellt wird, antwortet der faschistische Kommandeur nicht „wir“, wie es die meisten gefangenen Soldaten tun. Er antwortet erst nicht, dann sagt er „Artillerie“. Und schliesslich, als ihn die Milizionäre ins Auto schieben, um ihn vor den Donezkern zu retten, zitiert ihn einer davon, „er hat gesagt, das hätten die verf*ckten FSB specops getan oder Russen.“ (1:21)

Wie die ukrainische Pilotin Sawtschenko, die hier zum „Menschrechtsfall“ hochstilisiert wird, ist er nicht davon zu überzeugen, etwas falsch gemacht zu haben. Er hat den selben kalten, verächtlichen Blick wie Sawtschenko und wie ihre historischen Vorbilder. Man mag die Bilder unter dem Stichwort Hermine Braunsteiner-Ryan betrachten, um zu sehen, was ich meine. Sie war eine der Hauptangeklagten im Majdanek-Prozess, und ihre überhebliche Kälte war noch vorm Fernsehschirm zu spüren.

Der wirkliche Abgrund

Ich gehe einmal davon aus, dass die Bilder der bombardierten Städte bekannt sind. Dass jeder, der diesen Text hier liest, weiss, wie sehr diese Art des Krieges den Vernichtungskrieg der Nazis wiederholt.

Weniger bekannt ist allerdings, wie weit diese Analogien reichen. Erst relativ spät tauchten Berichte von jenen auf, die in ukrainischer Gefangenschaft waren. In grösserer Menge war dies erst nach Beginn des Gefangenenaustauschs während des „Waffenstillstands“ von Minsk 1 der Fall.

Hier will ich einige Videos zu diesem Punkt zeigen, anhand derer man sich selbst ein Bild machen kann. Ich habe mich bemüht, solche herauszusuchen, die es jedem ermöglichen, selbst über die Glaubwürdigkeit zu entscheiden.

Das erste stammt von einem Gefangenenaustausch, eine Reportage der Komsomolskaja Prawda. Die Gefangenen werden hier unmittelbar nach ihrer Übergabe befragt, und bei weitem nicht alle der Befragten hatten etwas mit der Miliz zu tun. Seht sie Euch an:

Ein relativ früher Bericht ist auch das Interview mit dem Bruder von Matros (einem der Kommandeure von Motorola). Matros hatte seinen Bruder, der in ukrainische Gefangenschaft geraten war, verzweifelt gesucht. In diesem Video geht es vor allem um das Wiedersehen der beiden Brüder, aber der jüngere erzählt auch, wie die ukrainischen Truppen mit ihm umgegangen sind:

Was dann, nach den grösseren Gefangenenaustauschaktionen auftauchte, waren Berichte wie dieser hier (der auch ohne Übersetzung ins Deutsche problemlos verstanden werden kann):

Alle diese Berichte legen nahe, dass Folter von Gefangenen (gleich wofür oder woher) inzwischen zum normalen Verfahren in der Ukraine gehört. Es gab in den ersten Berichten allerdings den Eindruck, diejenigen, die in den „regulären“ Gefängnissen, bei „regulären“ Teilen des Staatsapparats seien, etwa bei der SBU, seien etwas sicherer als jene, die der Nationalgarde oder den Freikorps in die Hände fielen.

Im Verlauf der Zeit stellte sich aber heraus, dass es sich schlicht um eine Art Arbeitsteilung handelt. Ein Beispiel dazu findet sich hier – ein Interview, das Graham Phillips mit der Witwe eines Ermordeten geführt hat:

Es sind bei weitem zu viele Berichte über systematische Folter, um sie einfach von der Hand zu weisen. Wohlgemerkt: wir reden hier nicht von Übergriffen, oder von exzessiver Gewalt, wie sie in Kriegssituationen immer vorkommt. Wir reden auch nicht von einem Zustand zwischen einem alten und einem neuen Staat, wie er in Donezk und Lugansk vorzufinden ist, in dem es schlicht den gewöhnlichen staatlichen Apparat nicht mehr oder noch nicht gibt und wo daher notgedrungen offene Gewalt an die Stelle der strukturellen tritt. Wir reden von einem Staat mit vollständigem Apparat, mit Justiz, Gefängnissen und Polizei, der Folter zum Regelverfahren macht und der die Ermordung von Gefangenen duldet, wenn nicht gar fördert. Der deutlichste Ausdruck dieses Zustands sind Berichte, dass auch jene Gefangenen, die ohnehin ermordet werden sollen, vorher noch gefoltert werden, aus Prinzip gewissermassen. Hier findet sich nicht einmal mehr die Vortäuschung einer Ermittlungsabsicht, wie sie die USA vor sich hertragen, um Folter zu rechtfertigen. Hier geht es um einen staatlich organisierten Rausch der Gewalt, um eine Orgie der Vernichtung, um nichts Anderes als um – Faschismus.

Die Spitze des Eisbergs

Auch wenn es eine beeindruckende Menge an Berichten über Gewalttaten gibt, dürfte das wirkliche Ausmass der Verbrechen erst nach der Niederlage der Junta sichtbar werden. Was in Orten wie Slawjansk, Kramatorsk oder Mariupol geschieht, die unter ukrainischer Besetzung stehen, ist nur bruchstückhaft bekannt; es ist sehr schwer einzuschätzen, was davon Gerücht ist, und was Tatsache. Einzig dadurch, dass von ukrainischer Seite eine ganze Reihe von Zivilisten, die irgenwo, irgendwie, aus irgendeinem Grund in Gefangenschaft gerieten, ausgetauscht werden, gibt es einigermassen verlässliche Berichte, was dort geschieht. Mittlerweile wurde der zweite Bericht der russischen Menschenrechtskommission veröffentlicht, der eine Menge dieser Berichte zusammenfasst und die Systematik dieses „Verfahrens“ sichtbar macht.

Manche kennen vielleicht bereits die kurzen Andeutungen über das Leben unter ukrainischer Besatzung, die sich im Video über Debalzewo finden, das ich vor längerer Zeit auf dieser Seite veröffentlicht habe. Detaillierter, und weit schwerer zu ertragen, ist dieses Interview mit einer Mutter aus einem von ukrainischen Truppen besetzten Ort nach der Befreiung (für mich eines der schrecklichsten der vielen schrecklichen Videos aus diesem Krieg):

Zu dieser Geschichte muss man noch einige Hintergründe ergänzen, die klar machen, dass es in diesem Fall nicht um zufälliges Handeln geht, auch nicht um Übergriffe gegen einzelne Personen, aus welchen Gründen auch immer. Die Mutter berichtet davon, ihr Sohn sei mehrere Tage gefoltert und anschliessend in einen Schacht geworfen worden. Das ist eine geplante Reinszenierung einer sehr bekannten Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, die in dem Roman „Die junge Garde“ beschrieben wurde, der in der Sowjetunion Schullektüre war. Der Ort der historischen Ereignisse liegt ebenfalls im Donbass, nicht allzuweit vom Ort der Reinszenierung entfernt.

Mittlerweile kursieren Aussagen über Geheimgefängnisse auf ukrainischer Seite und Erklärungen, es gebe unzählige Verschwundene. Unwillentlich hat sogar Amnesty International diese Befürchtungen jüngst bestätigt:

„Vasiliy Budik an advisor to the Ukrainian Deputy Minister of Defence, told Amnesty International that the separatist forces presented a list of some 1,000 persons whom they wanted to have exchanged for the prisoners they were holding, which was later reduced to less than 200 because, according to him, people on the original list did not exist or were held in Ukrainian prisons since before the conflict started (Vasiliy Budik, in interview with Amnesty International, Kyiv, 2 April 2015).“

Übersetzt lautet diese Passage:

„Vassiliy Budik, ein Berater des ukrainischen stellvertretenden Verteidigungsministers, sagte Amnesty International, die Separatisten hätten eine Liste von etwa 1 000 Personen präsentiert, die sie gegen die Gefangenen, die sie hielten, austauschen wollten, die später auf weniger als 200 reduziert wurde, da, seiner Aussage nach, die Leute auf der ursprünglichen Liste nicht existierten oder schon vor Beginn des Konflikts in ukrainischen Gefängnissen saßen (Vasiliy Budik im Interview mit Amnesty International, Kiew, 2. April 2015).“

Budik, der hier als ein offizieller Vertreter vorgestellt wird, ist der Gründer des Freikorps „Donbass“ und ein enger Freund des Chefs des Rechten Sektors, Dmitri Jarosch. Allzuviel Fantasie, was es bedeutet, wenn nach Aussage dieses Herrn „Leute nicht existieren“, braucht man nicht zu haben. Auf der Liste standen sie jedenfalls, weil sie einmal existierten.

Allerdings sollte man nicht leichtfertig Erzählungen, die im Moment nicht belegt werden können, auf die leichte Schulter nehmen. Ende Februar letzten Jahres kursierten die ersten Meldungen von dem Überfall auf Anti-Maidan-Demonstranten bei Korsun. Monatelang waren nur wenige Zeilen darüber zu finden, beispielsweise im Aufruf des Antifaschistischen Stabs vom 7.3.2014. Aus der Ferne war es unmöglich zu bewerten, ob diese Meldungen stimmten oder übertrieben waren. Erst im Sommer erschien dann ein ausführlicheres Video, in dem die damaligen Opfer zu Wort kamen und klar wurde, dass diese Meldung nicht nur stimmte, sondern eher unter- als übertrieb.

Ähnliches ereignete sich immer wieder. Daher gibt es ernsten Anlass zu der Befürchtung, dass die wirklichen Ereignisse unter der faschistischen Herrschaft in der Ukraine unsere Befürchtungen weit übersteigen. Wir sehen nach wie vor erst die Spitze des Eisbergs.

Ein Gleichgewicht des Schreckens?

Offenbar stellen sich die Medien bei uns mittlerweile darauf ein, dass die Kiewer Gewalttaten nicht länger völlig verborgen werden können. Die Gegenstrategie, zu der gegriffen wird, besteht in der Behauptung, beide Seiten seien schlimm, aber die „Separatisten“ seien schlimmer. Ein Beispiel dafür liefert der oben bereits erwähnte Bericht von Amnesty International (der übrigens zwar Videos erwähnt, sie aber nicht verlinkt, und sich auf Quellen wie die Kijv Post bezieht, verglichen mit der die BILD-Zeitung geradezu zertifizierte Wahrheit verbreitet). Inzwischen wird nicht nur Giwi, sondern auch Motorola geradezu zur Schreckensgestalt aufgebaut.

Betrachten wir die relevanten Fragen einmal nüchtern.

Gibt es Kriege ohne Übergriffe? Das mag man wünschen, die Vorstellung ist aber kaum realistisch. Wenn das Tötungstabu fällt (was zwangsläufige Folge jedes Krieges ist), dann sind die „schwächeren“ moralischen Grenzen zumindest ernsthaft bedroht. Genau das ist der Grund, warum Strafen, die zur Aufrechterhaltung der Disziplin innerhalb der eigenen Truppen verhängt werden, schnell sehr ernst werden. Zu glauben, es gäbe keine Übergriffe durch Angehörige der Milizen, entspricht dem Glauben an den Osterhasen.

Die einzige wirkliche Möglichkeit, solche Entwicklungen zu verhindern, besteht darin, keinen Krieg zu führen. Diese Wahl hatten die Menschen des Donbass aber nicht; das haben spätestens die Ereignisse in Odessa am 2.Mai letzten Jahres gezeigt. Es gab nur die Wahl, sich (und seine Familienangehörigen) wehrlos auszuliefern oder bewaffnet Widerstand zu leisten. Auch wenn kaum jemand zu Beginn des Aufstands im Donbass mit einem Krieg gerechnet haben dürfte (das Interview mit Sachartschenko Anfang Mai bestätigt das noch einmal), bleibt die Entscheidung für einen bewaffneten Widerstand legitim und richtig.

Die Unterschiede in der Kriegsführung selbst dürften bekannt sein. Die ukrainischen Truppen verhalten sich de facto wie eine feindliche Macht, nicht wie Truppen auf eigenem Territorium; ihr Ziel ist nicht nur (oder nicht einmal vorrangig), die gegnerischen Truppen zu besiegen, sondern, den größten möglichen Schaden anzurichten, unter der Bevölkerung wie an der Infrastruktur. Auf dieser Ebene ist der Konflikt äusserst asymetrisch. Der Donbass hat nicht die Möglichkeit, Kiew von der Lebensmittelversorgung abzuschneiden, die Renten ukrainischer Rentner zu verweigern oder westukrainische Dörfer in Schutthaufen zu verwandeln. Aber vielleicht gewährt uns die Geschichte zukünftig einen Beleg, ob sich die Truppen Noworossijas beispielsweise in Lwow nach diesem Muster verhalten…

Dieses Verhalten der Kiewer legt eigentlich nahe, dass die Junta von vorneherein davon ausgegangen ist, den Konflikt zu verlieren. Denn selbst die Nazis haben, bei aller Bestialität der sowjetischen Bevölkerung gegenüber, die Infrastruktur erst zerstört, als sie auf dem Rückzug waren. Zuvor waren sie schließlich davon ausgegangen, sie selbst nutzen zu können. Die Manie, schwere Artillerie gegen Städte einzusetzen und gezielt das Risiko für die Zivilbevölkerung zu erhöhen (wie durch die Sabotage der Wasserversorgung, wie sie etwa in Slawjansk geschah), widerspricht der öffentlichen Rhetorik, man wolle diese Gebiete „befreien“. Im Erfolgsfalle hinterlässt diese Strategie ein Gebiet, das auch für den Sieger nicht nutzbar ist.

Eine solche Kriegsführung ist in sich bereits verbrecherisch. An diesem Punkt ist die Bilanz eindeutig.

Es gibt belegbare Aussagen aus Noworossija, bestimmte Truppen würden nicht gefangen genommen. Das betrifft vor allem die Freikorps und insbesondere Truppen des Rechten Sektors. Ist das verbrecherisch? Nicht nur auf Seiten der Roten Armee, sondern auch auf Seiten der Westalliierten wurden Angehörige der SS selten gefangen genommen.

Überraschend ist allerdings, dass die ukrainischen Soldaten, die Amnesty in seinem Bericht als Zeugen von Mißhandlungen oder Hinrichtungen anführt, fast alle in zwei Kategorien fallen – sie sind entweder Angehörige eines dieser Freikorps (und es ist witzig zu lesen, wie Amnesty sich windet, um das nicht benennen zu müssen) oder Angehörige von Eliteeinheiten der ukrainischen Armee. In beiden Fällen gehören sie also zu jenen Einheiten, die nach offiziellen Aussagen in Gänze gar nicht mehr gefangen genommen werden. Nicht nur der faschistische „Hauptdarsteller“ des ersten Videos hat also im Gegensatz zur offiziell verkündeten Linie überlebt, sondern auch die Männer, die mit Amnesty gesprochen haben (ersterer soll sogar demnächst ausgetauscht werden).

Die dünne Linie

Aber selbst wenn wir annehmen, dass sämtliche erhobenen Vorwürfe zuträfen, bliebe ein entscheidender Unterschied übrig, an dem sich in einer von Gewalt getränkten Umgebung die letzte, feine Linie zwischen Gut und Böse erkennen lässt. Diesen Unterschied lassen die Videos erkennen, die aus Reihen des Rechten Sektors stammen.

Es gibt eine ganze Serie von Videos, die vermeintliche oder echte Hinrichtungen zeigen. Die ersten davon kursierten noch vor Odessa. In jüngster Zeit war es ein Video einer Kreuzigung und zuletzt ein Video, auf dem zwei Gefangene erhängt wurden, das nach Aussage des Lugansker Staatsanwalts auf dem Handy eines Angehörigen eines ukrainischen Sabotagetrupps gefunden wurde.

Zu jedem dieser Videos gibt es eine Debatte, ob das Gezeigte echt ist oder nicht. Im Grunde ist diese Debatte müßig und dient eher dem Selbstschutz; denn warum sollte jemand, der weiß, dass er ungestraft morden kann und der dies mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits getan hat, die Mühe und die Kosten auf sich nehmen, solche Aufnahmen zu fingieren? Auch hier hat Odessa den Maßstab gesetzt; es gibt Stunden über Stunden Videomaterial, auf dem die meisten der Täter unschwer zu identifizieren sind, aber es hatte keinerlei Konsequenzen für sie. Diese Umstände sprechen sehr stark für die Authentizität selbst der schrecklichsten Bilder; und auch hier verhalten sich die ukrainischen Faschisten punktgenau wie ihre historischen Vorbilder, die ebenfalls gerne stolz neben ihren Opfern posierten.

Entscheidend ist aber ein ganz anderer Punkt, und der wird schon durch die Erstellung solcher Videos belegt. Diese Gewalt wird nicht nur nicht geahndet; sie wird nicht nur nicht verborgen; sie wird öffentlich verherrlicht. Es ist für die Beteiligten kein Grund der Scham, sondern einer des Stolzes, und wenn eines dieser Videos fingiert sein sollte, dann, weil es den Status zu fördern scheint, sich solcher Taten rühmen zu können.

Und wie sollte ein staatlicher Apparat, der Massaker wie das von Odessa zulässt oder gar fördert, in irgendeiner Weise gegen die Täter vorgehen können? Was will er jenen vorwerfen, die die präsidialen Aussagen, für jeden toten ukrainischen Soldaten müssten hunderte „Separatisten“ mit dem Leben bezahlen, in die Tat umsetzen? Nach dem jüngst erfolgten Beschluss des ukrainischen Parlaments, die Erklärung der Menschenrechte im Donbass außer Kraft zu setzen, ist jede wie auch immer geartete Ahndung jedweder Gewalttat gegen Angehörige der Milizen wie auch gegen Zivilisten im Donbass völlig unvorstellbar geworden. Mit diesem Schritt wurde ihnen schlicht die Zugehörigkeit zur Menschheit aberkannt.

So schwierig es in vielen Fällen sein mag, in einer aus losen Milizen entstandenen Armee Disziplin durchzusetzen, und so wahrscheinlich es sein dürfte, dass es bei dieser Kriegsführung und in Folge der belegten Brutalität des Gegners zu Übergriffen kommt, auf Seiten Noworossijas gibt es nicht nur belegbare Bestrebungen, Übergriffe zu verhindern und zu ahnden, es gibt einen ausgeprägten moralischen Diskurs.

Im ersten Video findet sich das bei Minute 13:50: „Wir sollten nicht so werden wie sie.“ Genau an dieser Stelle findet er statt, der verborgenste und tiefste Kampf dieses Krieges. Genau an dieser Stelle hat die Rote Armee ihren größten Sieg im zweiten Weltkrieg errungen. Sie hat nicht Gleiches mit Gleichem vergolten. Hätte sie das getan, wäre von Deutschland nichts übrig geblieben.

Inmitten der allgegenwärtigen Gewalt ist das ein beständiges Ringen, das nicht notwendigerweise immer erfolgreich ist. Wichtig ist, dass es wahrgenommen und nicht durch eine Glorifizierung der Gewalt ersetzt wird. Als Beispiel hierfür ein Interview mit einem Milizkommandeur, dessen Sohn von den Faschisten ermordet wurde:

Es gibt diesen Diskurs in unterschiedlichen Varianten. Er wird in den kommunistischen Einheiten mit anderen Worten geführt werden als in den orthodoxen. Aber entscheidend ist, dass es ihn gibt. Und dass er aktiv gefördert wird (das ist eine der Aufgaben der politischen Abteilungen, die meines Wissens alle Einheiten Noworossijas besitzen). Eine Vorstellung davon, wie das geschieht, kann man im folgenden Video erhalten:

Gut und Böse

Gerade an diesem Punkt, ob und wie Menschlichkeit bewahrt werden kann oder ob sie verschwindet oder gar zielgerichtet zerstört wird, ist der Kampf im Donbass eine Wiederholung des zweiten Weltkriegs und des Kampfes gegen den europäischen Faschismus. Der wahre Kern des Antifaschismus findet sich genau an dieser Stelle, im fortgesetzen Ringen um die eigene Humanität im Angesicht der Finsternis.

Die historischen Dokumente spiegeln das ebenso wieder wie die Zeugnisse der Gegenwart; man denke nur an den Schwur von Buchenwald oder das Dachaulied. Antifaschismus ist kein „wir sind gut- ihr seid böse“-Spielchen, das bei Bedarf auf den Strassen einer jeden Stadt aufgeführt werden kann. Er ist der erbitterte Kampf gegen die finsterste Form imperialistischer Herrschaft, der nur gelingen kann, wenn auch diese innere Auseinandersetzung geführt wird.

Wie weit diese Kenntnis bereits verloren gegangen ist, zeigt sich nicht nur in der antideutschen Variante, die sich für antifaschistisch hält, aber völlig leugnet, dass genau die Gleichsetzung des Volkes mit der faschistischen Macht nie Teil des Antifaschismus war. Es zeigt sich auch darin, dass in der Zeitschrift der VVN der Geschäftsführer dieser Organisation in einem Artikel unter dem Titel „Alte Assoziationen“ (antifa Januar/Februar 2015) vermeintlich gegen Niekisch und seinen Nationalbolschewismus polemisiert, ihm aber tatsächlich seine Sympathien für die Sowjetunion und seine Ablehnung des Liberalismus vorwirft…und damit das nachvollzieht, was die „Extremismustheorie“ vorgibt, die Behauptung, es hätte keinen Unterschied zwischen der Sowjetunion und Nazideutschland gegeben. Letztlich wird damit, ganz beiläufig, die wirkliche antifaschistische Tradition in Deutschland für nichtig erklärt und der Humanismus durch den Liberalismus, also das Paket der „westlichen Werte“ ersetzt.

Die Realität, das wird uns in der Ukraine vorgespielt, sieht anders aus. Der Liberalismus hat, das können wir tagtäglich unserer Presse entnehmen oder bei den innigen Schmusereien der grünen Parteielite mit ukrainischen Faschisten sehen, keine Abgrenzung zum Faschismus. Wie könnte er auch, ist er doch der eine ideologische Ausdruck der einen Herrschaftsform des Kapitals, die faschistische Ideologie aber nur der Ausdruck der anderen. Genau an der Stelle, die den tiefsten Unterschied markiert, dem Humanismus, der Mitmenschlichkeit, hat der Liberalismus – nichts.

Wie in einem Brennglas gebündelt zeigt sich im Donbass ein Ringen um die Zukunft der Menschheit. Mit zügelloser Verherrlichung von Macht und Gewalt auf der einen Seite und nüchternem, aber entschiedenem Widerstand auf der anderen. Und über allem steht wie in gigantischer Leuchtschrift „demnächst auch in ihrem Theater“. Während die deutsche Linke mehrheitlich in Liebdienerei vor der herrschenden Meinung darum bemüht ist, noch das letzte ideologische Rüstzeug abzulegen.

Aber um die Haltung wiederzufinden, die es ermöglicht, dem Faschismus tatsächlich zu widerstehen (was dringend erforderlich ist, weil die Ukraine zwar das erste Land in Europa ist, in der die Bestie ihr Haupt erhebt, aber kaum das letzte bleiben dürfte), muss das Rad nicht neu erfunden werden. Es genügt, sich zu erinnern. Auch auf Deutsch wurde sie schon deutlich und oft genug ausgesprochen.

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